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Smart TV oder Apple TV: Ein Wechsel kann sinnvoll sein

Die weitere Integration von Inhalten aus dem Apple-Universum in die Smart TVs anderer Hersteller scheint die Apple TV Geräte immer weniger erforderlich zu machen.

Neben Homekit und iTunes ist inzwischen auch AirPlay 2 auf Fernsehern von Samsung, Sony und LG vertreten.

In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, ob sich ein Apple TV immer noch lohnt und welche Vorteile die Set-Top Box noch bietet.

Was ist ein Apple TV?

Ein Apple TV ist ein Streaming-Gerät, das mit einem Fernseher verbunden wird und eine eigene Hardware und Betriebssoftware besitzt. Als so genannte Set-Top Box übernimmt ein Apple TV sämtliche Smart-Funktionen und nutzt den Fernseher nur noch als Monitor.

Das Gerät kann sowohl an einen normalen Fernseher als auch an einen Smart TV angeschlossen werden.

Smart TV und Apple TV im Vergleich

Smart TV Fernseher gibt es von zahlreichen Herstellern in unterschiedlichster Ausführung. Die Spannbreite an Hardware-Komponenten ist kaum überschaubar und die Qualität der einzelnen Modelle schwankt stark.

Dabei setzen die Firmen auf verschiedene Betriebssysteme und entwickeln mitunter eigene Oberflächen, die auf die eigenen Bauteile und Bedarfe angepasst ist.

Betriebssystem und Oberfläche

Apple TV Geräte nutzen das selbst entwickelte tvOS als Betriebssystem, während die anderen Hersteller eigene Firmware entwickelt haben oder auf Android TV setzen.

Kerninhalt des tvOS ist die Verknüpfung und Integration sämtlicher Apple Hard- und Software. Die Verbindungen sind schnell und unkompliziert möglich. Verbindungsprobleme sind ein Fremdwort zwischen einzelnen Apple Geräten.

Im Vergleich dazu sind die Betriebssysteme der anderen Hersteller offener gestaltet. Sie besitzen keinen Fokus auf bestimmte Geräte und sollen so für alle Hersteller zugänglich sein.

Dies birgt das Risiko, dass bestimmte Elemente nicht kompatibel sind, da nicht jede Kombination programmatisch abgedeckt werden kann. Zwar helfen Standard-Protokolle eine hohe Kompatibilität zu erreichen, jedoch treten häufiger Fehler auf, als bei reinen Apple-produkten.

Die Oberfläche des tvOS gestaltet sich einfach, übersichtlich und elegant. Die einzelnen Anwendungen sind groß dargestellt und klar hervorgehoben. Es ist leicht die gewünschte App zu finden und zu aktivieren.

Das Design entspricht dem aktuellen Apple-Standard und zeigt die typischen hellgrauen Hintergründe mit abgerundeten Ecken. Davon heben sich die einzelnen Menüpunkte in ähnlichem Design ab.

Für Apple-Nutzer besteht ein hoher Wiedererkennungswert und die Darstellung fühlt sich bekannt und vertraut an.

Die Darstellung von anderen Betriebssystemen sind meist etwas komplexer aufgebaut und beinhalten mehr Symbole und Informationen.

Die Übersichtlichkeit und Nutzerfreundlichkeit ist dennoch hoch und wird stetig weiterentwickelt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Herstellern können dabei groß sein.

In der Regel fällt es den Nutzern leicht, sich an eine Oberfläche zu gewöhnen und die gewünschten Funktionen schnell aufrufen zu können.

(Das Smart TV Betriebssystem kann man übrigens schlecht ändern. Mehr dazu erfährst du hier)

Reaktionszeiten

Die Reaktionszeiten in der Menüführung und dem Aufrufen von Inhalten hängen von den Hardwarekomponenten und dem Betriebssystem ab. Je höher die Prozessorleistung und je schlanker die Programmierung, desto schneller werden die einzelnen Grafiken dargestellt.

Hierbei wird der Vorteil des eigenen Betriebssystems deutlich, da Apple es wie kein anderer versteht die Prozesse zu optimieren und eine durchdachte und abgestimmte Oberfläche bietet.

Zwar sind die Unterschiede zu anderen Top-Herstellern geringer geworden, wir sehen aber dennoch Apples tvOS an der Spitze.

Dies wird außerdem durch die Hardware bei Apple untermauert, die in die Geräte verbaut ist. Die stets höheren Preise sind unter anderem mit hochwertigeren und schnelleren Prozessoren und Arbeitsspeichern begründet.

So nutzt Apple in seinen TV-Boxen aktuell den A12 Binoic Prozessor, der auch durch andere TV Boxen nicht übertroffen wird.

Im Gegensatz dazu sind die Hardware-Komponenten bei Smart TVs grundsätzlich relativ beschränkt. Die verbauten Prozessoren stellen einen großen Kostenfaktor dar und werden häufig nur so gut ausgelegt, wie es sein muss.

Ein durchschnittlicher Smart TV erreicht kaum die Performance einer aktuellen externen TV-Box.

Die Spanne variiert dabei stark und so sind hochpreisige Modelle deutlich schneller als ein Durchschnitts-TV unterwegs und kommen sogar an die Reaktionszeiten von externen Geräten heran.

Die Kosten für solche Fernsehgeräte sind jedoch überproportional hoch, da auch der Bildschirm und die restlichen Komponenten am technischen Maximum sind.

Fernbedienung

Die Siri Fernbedienung der Apple TVs ist auf die Verwendung im tvOS ausgelegt und kann auch nur dort eingesetzt werden. Sie ermöglicht eine schnelle Navigation mit Hilfe des Cursor-Pads besitzt eine integrierte Spracherkennung.

Die Fernbedienung ist schnell, übersichtlich, absolut funktional und in dem gewohnten Apple-Design.

Die Fernbedienungen anderer Smart TV Hersteller weichen stark voneinander ab.

Viele Marken setzen auf klassische Bedieneinheiten und eine Navigation mittels Richtungstasten und Bestätigungsknopf. Es sind meist deutlich mehr Tasten vorhanden. Dabei können auch direkt belegte Smart-Knöpfe (wie Netflix, Prime Video) vorhanden sein.

Das bekannte Design macht es leicht die vielen Funktionen schnell einsetzen zu können. Die Navigation innerhalb der Oberfläche ist jedoch etwas langsamer als bei der Siri Fernbedienung.

LG hat mit seiner Magic Remote eine Fernbedienung im Repertoire, die das Design einer klassischen Fernbedienung hat, jedoch auf einen steuerbaren Cursor setzt. Dies macht die Navigation sehr einfach und liegt uns persönlich sehr gut. Hinzu kommt die unterstützende Spracherkennung.

Die smarte Fernbedienung von Samsung ähnelt vom Design der Siri-Fernbedienung, besitzt jedoch mehr Knöpfe. Die Steuerung erfolgt ebenfalls über ein Richtungs-Pad und ein paar Schnellwahltasten. Auch hier ist die Spracherkennung integriert.

Neben den eigentlichen Fernbedienungen besitzen nahezu alle Hersteller die Option den Fernseher mittels Smartphone-App zu steuern. Dabei wird mitunter eine eigene App eingesetzt. In allen anderen Fällen sind Universal-Apps nutzbar.

Auch wenn diese Funktion ein nettes Gimmick ist und in manchen Situationen Sinn macht, liegt die Priorität beim Fernsehen in der Einfachheit und ist für uns mit einer separaten Fernbedienung deutlich angenehmer.

Spracherkennung

Die Nutzung von Sprachbefehlen ist inzwischen in allen Smart TVs integriert und wird bei Apple mittels Siri über die Fernbedienung durchgeführt.

Android TV Geräte nutzen Google und andere Hersteller haben adaptierte Sprach-Assistenten.

Die Genauigkeit und Nutzerfreundlichkeit von Sprachbefehlen hat in den letzten Jahren stark zugenommen und ist inzwischen auf allen Systemen gut.

Die Spracherkennung von Apple scheint dabei jedoch immer noch einen kleinen Schritt voraus zu sein. Dieser Vorteil zeigt insbesondere in der Verknüpfung mit anderen Apple Geräten oder Anwendungen.

Wer bereits einen Sprach-Assistenten nutzt wird vermutlich bei dem gewohnten System bleiben.

Apps

Die Anwendung von Apps auf dem Smart TV stellt eine der wesentlichen Kompetenzen dar und sorgt für die große Vielfalt an Möglichkeiten der Nutzung.

Die bekanntesten und am häufigsten genutzten Apps sind sowohl auf Apple TVs als auch auf allen Smart TVs erhältlich. Die Oberflächen unterscheiden sich nicht und die Apps können identisch eingesetzt werden.

In der Tiefe und bei kleineren Nischen bietet die Oberfläche der Apple TVs weniger Apps. Dies liegt an der geschlossenen Kultur und der Überprüfung jeder einzelnen Anwendung vor der Zulassung.

Die Verfügbarkeit von Konkurrenz-Apps hat in den letzten Jahren stark zugenommen. So können mittlerweile alle gängigen Apple Apps auf den Android TVs eingesetzt werden. Aber auch die weit verbreiteten Google Anwendungen sind inzwischen auf dem Apple TV verfügbar.

Apple hat damit seinen geschlossenen Nutzerkreis geöffnet und so ist inzwischen eine Integration auch auf einem nicht Apple TV möglich.

Der Hintergrund ist dabei jedoch weniger eine neue Offenheit gegenüber anderen Herstellern, sondern eine Priorisierung des eigenen Streaming-Dienstes Apple TV+. Dadurch sollen mehr Kunden gewonnen und stärkere Abo-Zahlen generiert werden.

Speicherplatz

Der Speicherplatz bei Smart TVs und Set-Top Boxen ist nicht mit einem Computer vergleichbar und fällt deutlich geringer aus. Die vorhandenen Kapazitäten dienen in erster Linie dem Speichern von Apps und deren Daten.

Viele Apps und Hersteller setzen inzwischen auf eine Speicherung in einer Cloud. Diese Internet-Speicher sorgen dafür, dass lokale Speicherkapazitäten an Bedeutung verlieren.

Eine größere Speicherkapazität wird erst relevant, wenn Sendungen und Filme aus dem Fernsehprogramm aufgezeichnet werden sollen. Hierzu sind Set-Top Boxen wie der Apple TV jedoch nicht ausgelegt.

Das normale Fernsehen kann zwar mittels Apps und dem internen Browser auch über die Smart-Oberfläche dargestellt werden, jedoch ist dies die umständlichere Ausnahme vom normalen Satelliten- und Kabelfernsehen.

Mittlerweile hat sich hierfür das so genannte USB-Recording durchgesetzt. Hierzu wird eine externe Festplatte an den Fernseher angeschlossen.

Bei Verwendung eines Receivers kann dieser auch eine entsprechende Festplatte integriert haben.

Eine Aufzeichnung erfolgt über den Fernseheingang, den Fernseher und auf das entsprechende Speichermedium. Eine Set-Top Box ist in den Prozess nicht involviert.

Der Speicherplatz bei einem Apple TV und einem Smart TV spielt daher nur eine untergeordnete Rolle.

Nutzerkonten

Die Verwendung verschiedenster Dienste eines Anbieters und die Synchronisierung schaffen ein Benutzerkonto mit individuellen Einstellungen und Merkmalen.

Ein solches Konto ist sowohl bei Microsoft, Google, als auch Apple integrativer Bestandteil der Nutzerbindung.

Bei der Verwendung eines Apple TV können Benutzerkontos angelegt und entsprechend genutzt werden. So werden dem Familienvater andere Inhalte präsentiert als den Kindern oder der Mutter.

Die meisten Smart TVs bieten keine Benutzerkonten an. Diese ergeben sich aber auch aus einigen Apps. So beinhaltet Netflix zum Beispiel genau diese Funktion.

Inwiefern die einfachere Integration über einen Apple TV einen entscheidenden Vorteil erzeugt, sehen wir so nicht.

Tonqualität

Apple TV ermöglicht eine Verbindung zu allen bluetoothfähigen Lautsprechern. Die Unterstützung von Apples Lautsprechern (HomePod, Airpods) läuft problemlos und ist die bevorzugte Variante. Die Regelung über die Software ist sehr gut.

Alle Smart TV haben ebenfalls die Möglichkeit externe Lautsprecher anzuschließen. Dabei werden auch Apple Geräte erkannt und entsprechend eingesetzt.

Dieses offene System erlaubt eine starke Bandbreite an möglichen Geräten und bietet den TV-Nutzern eine größere Wahl.

Zwar sind auch beim Apple TV andere Geräte möglich, jedoch liegt der Fokus ganz klar auf den hauseigenen Devices.

Die Qualität der Tonausgabe bei den Apple-Geräten ist überdurchschnittlich und die einfache Bedienung zeigt wieder einmal, dass die Integration wesentliche Philosophie der Marke ist.

Im Vergleich hierzu hängt die Tonqualität bei Smart TVs stark von den jeweiligen externen Lautsprechern ab. Die große Bandbreite ermöglicht es jedoch sowohl im günstigen als auch im gehobenen Preissegment eine gute Qualität zu erreichen.

Datenschutz

Eine besondere Bedeutung bei Verwendung vernetzter Hardware besitzt die Nutzung persönlicher Daten durch die Hersteller und App-Entwickler. Diese werden für optimierte Werbung und zur Ermittlung des Nutzerverhaltens gesammelt und verarbeitet.

Welcher Hersteller und welche Software welche Daten genau erheben und wie nutzen ist für den Verbraucher nicht ersichtlich. Es gibt trotz umfangreicher datenschutzrechtlicher Bestimmungen keine Transparenz.

Im Vergleich zu anderen Herstellern besitzt Apple den Ruf, dass die Daten der Nutzer besonders sicher sind. Auch die Verwendung für hyperkommerzielle Zwecke scheint weniger stark ausgeprägt zu sein.

Kosten

Die Kosten eines Smart TVs enthalten lediglich die Anschaffungskosten für den Fernseher, während ein Apple TV einen zusätzlichen Kostenfaktor darstellt.

Der Kauf eines neuen Fernsehers ohne Smart Funktion und dafür mit einem Apple TV stellt keine Alternative dar, da alle neuen TV-Geräte die Smart Funktionen besitzen.

Der Kauf eines Apple TV ist daher immer teurer als die Nutzung des reinen Smart TV.

Die aktuellen Preise für Apple TV sind:

ModellKaufpreis
Apple TV (2007 – 1. Gen)ab 40€ (gebraucht)
Apple TV (2010 – 2. Gen)ab 40€ (gebraucht) & 80€ (neu)
Apple TV (2012 – 3. Gen)ab 50€ (gebraucht)
Apple TV HD (2015 – 4. Gen)ab 120€ (gebraucht) & 160€ (neu)
Apple TV 4k (2017 – 1. Gen)ab 150€ (gebraucht) & 160€ (neu)
Apple TV 4k (2021 – 2. Gen)ab 160€ (gebraucht) & 190€ (neu)

Die genauen Bezeichnungen werden bei diversen Portalen nicht so genau genommen. Es sollte daher immer das angebotene Modell mit der Apple TV Übersicht verglichen werden.

Fazit

Die Öffnung der Apple-Philosophie ermöglicht es einen Smart TV mit den meisten Apple-Funktionen einzusetzen, ohne einen Apple TV kaufen zu müssen. Bei der Wahl eines hochwertigen Fernsehers können gute Reaktionszeiten erreicht werden, die eine Set Top Box überflüssig machen.

Der große Vorteil des Apple TV ist seine elementare Integration sämtlicher Apple Produkte. So können alle Apps, alle Geräte und sämtliche Funktionen einfach und schnell miteinander genutzt werden.

Für Nutzer, die sich bereits in der Apple Umgebung bewegen, kann der Apple TV eine einfache und effektive Alternative zu einem systemfremden Smart TV sein.

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